Visionen und Archetypen

Zum Beispiel stammen die durch die Visionen übermittelten Botschaften von sogenannten „Archetypen“. Carl Gustav Jung hat dieses Feld sehr gut studiert und definiert die Archetypen als Träger sowohl eines Symbols als auch einer Emotion. Aber ein Symbol braucht eine Interpretation, da es aus dem analogen Denken kommt, welches irrational ist und nur zu möglichen Schlussfolgerungen führen kann.

Man sieht sofort, dass es im Prinzip nicht möglich ist, etwas kategorisch von einer paranormalen Botschaft und ihrer Interpretation zu behaupten. Es ist jedoch angebracht, Logik einzusetzen, um Schlussfolgerungen aus dieser Interpretation zu ziehen, jedoch ohne dass man zu unwiderlegbaren Schlüssen kommen könnte.

Es lässt sich somit feststellen, dass das Irrationale auf der Ebene des Paranormalen unvermeidbar ist. In anderen Worten, unsere Psyche ist nicht dazu gemacht, nur auf rationaler Basis zu funktionieren, sondern um die beiden Herangehensweisen zu integrieren. Das Rationale ist unumgänglich für das, was die Materie angeht oder die elementaren menschlichen Funktionen, aber das Irrationale bleibt der Meister des subtileren Teils unseres Bewusstseins, der bevölkert ist von Archetypen und natürlicherweise in unserer spirituellen Evolution mündet.

Es ist ein Fehler an sich, die beiden Herangehensweisen einander gegenüberzustellen, sie ergänzen sich einfach. Warum ist diese Spaltung in unserer westlichen Kultur entstanden? Der Verlust des Zugangs zur paranormalen Dimension unter Faktoren, die noch bestimmt werden müssen, hat eine Art kognitiver Rationalisierung oder eine reaktionelle Formierung geschaffen. Die Überinvestition in das Rationale gab die Illusion, den Mangel abzumildern. Indem man die Existenz des Paranormalen an sich leugnete, musste man nicht mehr unter seinem Fehlen leiden. Diese Negation selbst ist aber irrational. Dass man paranormale Phänomene nicht leben oder beobachten konnte, bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt. Es ist somit unmöglich, sich des Irrationalen zu entledigen, und ein weit zurückliegendes Andenken daran in unserem Unterbewusstsein erwacht manchmal in Form eines Aberglaubens.

Halten wir beiläufig fest, dass die Sozialpsychologie grundlegend das logische vom sozialen Denken unterscheidet. Ersteres gehorcht den Regeln der Logik, aber ziemlich häufig sind die Schlussfolgerungen, die man daraus erhält und die den Glauben auf sozialer Ebene ausmachen, Sophismen oder analoge Gedankengänge und führen zu Fehlern. Wir bevorzugen sie jedoch, da sie unseren Interessen nachkommen, unser Selbstwertgefühl aufpolieren oder die gängigen Stereotypen und Vorurteile bedienen. Noch allgemeiner ausgedrückt: Sie erfordern weniger intellektuelle Anstrengung. Die kognitive Anstrengung bestimmt häufig unsere Stellungnahmen, da das menschliche Wesen von Natur aus den Weg des geringsten Widerstandes wählt. Wie dem auch sei, man findet das Irrationale im sozialen Denken, dem Zement, der die menschliche Gemeinschaft zusammenhält.

Die evolutive Ökopsychologie hält eine andere Lösung parat: Bestimmung der Faktoren, die es erlauben, eine natürliche Empfänglichkeit fürs Paranormale zurückzuerhalten und dem Rationalen wie dem Irrationalen ihren angemessenen Platz zu geben. Weiterhin im letzteren die kontraproduktiven Abweichungen von den Regeln der Logik zu erkennen und den Teil einer kontemplativen, für Empfang und Interpretation der transzendenten Botschaften nötigen Öffnung und einer auf dem Niveau unseres Schicksals immer nützlichen Vervollkomnung anzuerkennen.