Realität des Übersinnlichen oder einfach Zufälle?

Die Meinungen in der Bevölkerung sind geteilt. Etwa die Hälfte befragter Personen schätzen, dass paranormale Phänomene existieren, die andere, dass es sich um Halluzinationen oder Scharlatanerie handelt. Neutrale oder gleichgültige Meinungen sind rar. Das Thema führt manchmal zu mächtigen Spannungen, ohne dass man es erreicht, die Sache endgültig zu entscheiden. Diese Situation zeigt, dass die allgemeine Intuition ein Überbleibsel des Übersinnlichen enthält, selbst in einer Gesellschaft in der die Normen versuchen es verschwinden zu lassen.

Die Parapsychologie versucht seit Generationen den Beweis einer telepathischen Übertragung von Hellsehen und anderen übersinnlichen Wahrnehmungen, ja sogar psychokinetischer Phänomene zu liefern. Sie verfügt meistens nur über einzelne Phänomene, die schwer reproduzierbar sind und selbst schwer zu beobachten, was Tür und Tor für Einwände offenlässt. Es ist möglich, dass die paranormalen Phänomene von Natur aus sich nicht statistischen Erforschungen beugen, der einzigen Möglichkeit kritische Geister zu überzeugen.

Die Situation würde sich völlig anders darstellen, verfügte ein gewichtiger Anteil der Bevölkerung über übersinnliche Fähigkeiten. Im Rahmen der Urpsychologie hat übrigens die Häufigkeit von Personen und Phänomenen erlaubt, systematische Beobachtungen durchzuführen. In dem Moment, wo sich die gleichen Manifestationen bei einer großen Anzahl Personen in beträchtlichem Ausmaß auftauchen, kann man das nicht mehr auf reinen Zufall zurückführen.

Einzelne isolierte Phänomene bürgen schon ernsthaft von der Realität der übersinnlichen Wahrnehmung. Eine Vision, die den Unfalltod eines Freundes oder Verwandten ankündigt, über lange Distanz und völlig unvorhersehbar, kann schwer durch einen materiellen Prozess erklärt werden. Man müsste einen Informationsweg vom Unfallort bis zum Empfänger durch einen Kanal, der den Gesetzen der Physik folgt schaffen und dann den neuronalen Ausdruck im Sehzentrum.

Freud rechnete auf die elektromagnetischen Wellen, um die Telepathie zu erklären. Man hat aber niemals eine Verbindung zwischen einem im Zeitrahmen sehr begrenzten Ereignis wie einem Unfalltod und einer Änderung im herrschenden Magnetfeld feststellen können noch einen anderen Informationsüberträger.

Die Reduktionisten neigen dazu die zahlreichen Zeugnisse dieser Art zu erklären, indem sie sich darauf berufen, dass bei jedem Probanden zahlreiche Visualisierungen von ähnlichen Ereignissen im Bewußtsein zusammenströmen würden. Man würde nur diejenigen abspeichern, die eine Bestätigung gefunden hätten, woher dann der Eindruck von bestätigten Vorhersehungen käme.

Es ist sicher, dass das Gedächtnis permanent eine Auswahl trifft und nicht Stichhaltiges fallen läßt. Jedoch ist eine Vision, vor allem, wenn es sich um die erste handelt, ein sehr prägnantes Ereignis. Man vergisst niemals ein solches Bild, genausowenig wie den Tod, den es ankündigt. Die Kritiker haben sicherlich noch niemals selbst solche paranormalen Phänomene erlebt und machen sich eine völlig verzerrte Vorstellung von dem Platz, den sie im Gedächtnis einnehmen.

Eine annähernde Berechnung kann zeigen, dass es hochgradig unwahrscheinlich ist, dass der Zufall für diese Art „Koinzidenz“ ausreicht. Jedes verifizierte Detail teilt die Wahrscheinlichkeit durch einen neuen Faktor: Uhrzeit, Datum, Umgebung, Worte und Gesichtsausdrücke, usw. Am Ende der Rechnung kann man damit rechnen, dass eweniger als ein Individuum unter dutzenden oder hunderten von Millionen zufällig ein ähnliches Phänomen erleben sollte.

Genausogut könnte man sagen, dass jede Manifestation dieser Art alle Chancen hat nicht zufälig zu sein. Die Idee, dass es dem Zufall geschuldet sei, sollte als unwahrscheinlich oder unmöglich erachtet werden. Man gibt sich z.B. in der Psychologie mit viel höheren Fehlerwahrscheinlichkeiten zufrieden, in der Größenordnung von 1 bis 5%, um daraus zu schließen, dass ein Versuch schlüssig ist.

Es wäre offensichtlich überzeugender, könnten die Parapsychologen diese Phänomene auf breiterer Ebene erforschen und in geeigneter Form verzeichnen. Leider erfordert die übersinnliche Wahrnehmung einen mit wissenschaftlicher Forschung ziemlich unvereinbaren Bewusstseinszustand.

Ein Beispiel, um sich diese Inkompabilität vorzustellen, ist die von Liebe und Sexualität. Es ist extrem schwierig Liebesverhalten wissenschaftlich zu beobachten und zu dokumentieren. Die einfache Tatsache anwesend zu sein und eine Analyse durchführen zu wollen, genügt um einen natürlichen Ablauf zu verhindern oder abzufälschen.

Die Quantentheorie lehrt uns seit mehr als einem Jahrhundert, dass der Beobachter das beobachtete Phänomen verändert. Das Prinzip ist richtig auf Partikelniveau, aber auch für psychologische Phänomene. Die übersinnliche Wahrnehmung reagiert vielleicht noch sensibler auf rationalistischen Druck, als die Liebe. Wie dem auch sei sind beide Phänomene tiefgehend verbunden.

Übrigens ist die archetypale Natur der übersinnlichen Botschaften so beschaffen, dass die Wissenschaftler mit ihrem Latein am Ende sind. Sie haben wegen der Labilität der Symbole automatisch die Tendenz daraus zu schliessen, dass es sich um nichts Stichhaltiges handelt. Um solche Experimente durchzuführen braucht es Wissenschaftler, die an sich selbst paranormale Phänomene erlebt haben und fähig sind die Quintessenz aus den empfangenen Symbolen zu ziehen.

Ein Begriff, der helfen kann, besser den Zusammenhang zwischen der paranormalen- und unserer gewöhnlichen Raum-Zeit-Dimension zu erfassen, d.h. wie die übersinnlichen Botschaften sich auf unser normales Erleben beziehen, ist der des „Energiefeldes“. Für den Physiker ist das Feld eine unsichtbare Eigenschaft des Raumes, bei der ein Partikel einer Kraft unterliegt, die von seiner Position abhängt. Der Partikel verändert aber nicht unbedingt seinen Ort, verschiedene Faktoren können die Aktion des Feldes verhindern.

Es scheint, dass die übersinnlichen Botschaften, die z.B. ein Ereignis ankündigen, einer ebenfalls durch die transzentende Dimension herbeigeführten Tendenz entsprechen, dass dieses Ereignis eintritt. Das wäre ein guter Augenblick, damit eine Aktion Erfolg hat und Früchte trägt, oder, wenn das Ereignis nicht erwünscht ist, dass man die nötigen Vorsichtsmaßnahmen trifft. Ein Energiefeld ist ein Feld der Wahrscheinlichkeit: Die betroffenen Ereignisse sind wahrscheinlicher, aber sie sind trotzdem nicht vollständig bestimmt.

Die Existenz einer transzendenten Dimension bedeutet nicht, dass die metapsychischen Phänomene den gleichen Regeln gehorchen müssen wie diejenigen in der materiellen Realität. Die Tatsache, dass sie den physikalischen Gesetzen entgehen, bedeutet aber nicht, dass sie nicht reell sind.

Es bleibt die Realität zu definieren: Wir könnten jenseits aller Metaphysik sagen, dass ein Phänomen reell ist, wenn es Objekt übereinstimmender Beobachtungen ist. Ich sehe diesen Stuhl unter was für einer Entfernung und was für einem Winkel auch immer, du siehst ihn auch, eine Kamera kann ihn filmen. Die Kohärenz der Beobachtungen erlaubt uns ihn als reell zu erklären – der Epistemologe verfügt in der Tat nicht über mehr, um diese Realität zu definieren.

Die übersinnlichen Botschaften sind ebenfalls Objekt einer Kohärenz, sowohl auf dem Beobachtungsniveau, als auch bei der Nachprüfung. Wir haben also das Recht sie so reell zu erklären wie ein x-beliebiges anderes Objekt oder Phänomen. Jede andere Erwägung läge im Spekulationsbereich und in dem, was man wissenschaftlichen Hochmut nennen könnte.