Liebe und Sexualität unter Achtung der Naturgesetze gelebt

Der Garten der Lüste liefert uns die Schlüssel eines Problems, das seit ewigen Zeiten keine befriedigende Lösung fand, trotz der Bemühungen von Denkern, Philosophen, Theologen, Dichtern, selbst Psychologen und Psychiatern, Psychoanalytikern, Sexologen und anderen Spezialisten moderner Zeiten.
Bosch liefert uns in kodierter Form die Regeln, denen es zu folgen gilt, um der Liebe und der Sexualität ihre wichtigste und urprüngliche Funktion zurückzugeben. Diese Funktion ist nicht die Fortpflanzung, wie man zu leicht meinen möchte, sondern eine Funktion spiritueller Art.
Klassischerweise behauptet man: Gott ist Liebe. Für Bosch ist es die Liebe, die den Weg zu Gott öffnet – eine Liebe, die keinesfalls die physische Dimension ausklammert. Sie ist als eine Körper – Geist – Einheit zu sehen. Um sich auszudrücken und ihr Ziel zu erreichen, muss sie sich von den willkürlichen Zwängen der herrschenden Moral befreien. Das bedeutet aber nicht, dass sie keinen Regeln zu folgen braucht. Das Zentralbild des Gartens der Lüste liefert uns eine detaillierte Aufstellung dieser Regeln, die tatsächlich nichts anderes sind als die ursprünglichen Liebesgesetze. Es veranschaulicht uns gleichzeitig die Bandbreite natürlichen sexuellen Verhaltens.

Was Bosch uns nicht sagt ist, wie man diese Regeln anwenden kann, wie man sie ins tägliche Leben integrieren könnte in einer Welt, die damit nichts am Hut hat. Man stößt auf mehrere Schwierigkeiten:

  1. die klassische Darstellung der Liebesdinge
  2. die Sichtweise der anderen
  3. die Schuldgefühle
  4. die durch die Erziehung verinnerlichten psychischen Strukturen
  5. Die klassische Darstellung der Liebesdinge

Einige Stunden Lektüre reichen nicht aus, um sich von Stereotypen aller Art zu befreien, die uns in einem bestimmten Liebesbenehmen gefangen halten. Vor allem ist es nötig die innere Freiheit wiederzufinden, die subtilen Emotionen erlaubt Gestalt anzunehmen.

Wenn wir einen sexuellen- oder Liebestrieb verspüren, werden wir augenblicklich von allerlei Vorstellungen überschwemmt, die unsere Vergangenheit, unsere Erziehung, unsere sexuellen Erfahrungen oder einfach die herrschende Meinung mit der Liebe verbinden.

Indem der Heilige Eros seit Jahrhunderten verloren ist, gibt es nichts in der Gesellschaft, was ihn erhalten würde. Ganz im Gegenteil, quasi die Gesamtheit der Inhalte, die uns beherrschen, entsprechen nicht seinen Regeln und garantieren ein Scheitern.

Die Bedingung Nummer eins für ein gutes Funktionieren besteht somit aus einer tiefen Arbeit an sich selbst, in der Art, dass die kulturellen Konditionierungen überschritten werden müssen, um sie mit einer den Naturgesetzen näheren Vorstellung des Liebesphänomens zu ersetzen. Das Werk Boschs ist eine der raren Blüten unserer Kultur, die uns in dieser Hinsicht eine wertvolle Hilfe bringt, einmal, weil sie im Detail alle Charakteristiken des Heiligen Eros aufzeichnet, und vor allem, weil es nicht durch Worte geschieht sondern durch verschlüsselte Bilder, die ihre Bedeutung erst in dem Augenblick freigeben, wenn der Betrachter fähig ist sie zu decodieren.

Das Ideal wäre diese Anpassungsarbeit ohne Sprache oder eine Interpretation, wie wir sie hier vorschlagen, durchzuführen. Unglücklicherweise sind wir mehrheitlich so weit von den ursprünglichen Werten entfernt, dass es uns häufig nicht möglich ist, die intellektuellen Barrieren zu überwinden, die so eine Entschlüsselung nach sanfter Art verhindern. Ein Beweis dafür ist, dass die besten Kunstspezialisten daran völlig gescheitert sind. Selbst Fraenger, der durch die Entdeckung eines Prozessprotokolls der Inquisition, Mitglieder der Gruppe der Freigeister betreffend, auf die richtige Spur kam, hat sich als Opfer der herrschenden Vorstellungen über Liebe und Sexualität erwiesen und sich bei zahlreichen Punkten in die Irre führen lassen.

Es ist somit nützlich für die Praxis, auf Grundlage der Werke Boschs, mit Unterstützung einer adäquaten Interpretation zu arbeiten, aber man muss dabei vermeiden, in einen Fortschrittsehrgeiz oder eine wörtliche Anwendung zu verfallen. Besser wäre in der Tiefe das wirken zu lassen, was man von dieser Lehre erfassen kann und in einem Zustand des Forschens und der Selbstbefragung zu bleiben.

2. Die Sicht der Anderen

Es ist ein Charakteristikum der menschlichen Psyche, dass sie sehr sensibel auf das sexuelle Verhalten Anderer ist. Wir reagieren sofort auf das geringste Zeichen einer sexuellen Annäherung. Wir sind ebenfalls sehr empfindlich auf Beurteilungen anderer unserem sexuellen Verhalten gegenüber. Diese doppelte Sensibilität existiert nicht zufällig; sie hatte anfänglich nichts mit einer krankhaften Neugierde oder einer übertriebenen Selbstliebe zu tun. Sie erklärt sich sofort, kennt man das Ziel des Heiligen Eros: Sie hat die Funktion eine spirituelle Vervollkomnung des Liebesprozesses zu garantieren, indem sie Fehler, die auftreten können, anprangert.

Die Intensität der unterschwelligen Triebe dieser instinktiven Aufpassfunktion entspricht ihrer existenziellen Wichtigkeit. Die übersinnliche Entwicklung macht eine spirituelle Vervollkommnung der Existenz möglich, und nichts ist wichtiger als das. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass sehr intensive Triebe ins Spiel kommen, nicht nur innerhalb einer Beziehung sondern auch in der Umgebung. Sie zielen darauf ab Fehler gegenüber den Regeln des Heiligen Eros aufzudecken.

Der Prozess wird leider von Anfang an verfälscht. Die Sichtweise der Anderen wird meistens nicht mehr von der Realität des anvisierten Verhaltens bestimmt sondern von den Vorstellungen, die sie auf die davon erfassten Elemente projizieren. Auf diesem Gebiet, wo Diskretion angebracht ist, reichen diese Elemente im Allgemeinen nicht aus, um ein Verhalten völlig zu erkennen. Alle Aspekte, die von außen unerreichbar sind, werden also durch eine Vorstellungskraft, die auf zirkulierenden Ängsten oder persönlichen Erinnerungen beruht, vervollständigt. Stünden übersinnliche Fähigkeiten zur Verfügung, könnten sie so ein Abgleiten vermeiden. Ohne sie stehen Tür und Tor offen für Imagination, die dann diverse Ausschreitungen rechtfertigt (z.B. Hass auf außereheliche Beziehungen oder Homosexualität).

Der Heilige Eros, wie ihn der Garten der Lüste beschreibt, wird unausweichlich in einer Gesellschaft falsch verstanden, die seit Jahrtausenden den Schlüssel dazu verloren hat. Denjenigen, die ihn zu leben versuchen, werden automatisch Wollust, schlechte Absichten oder Perversionen unterstell, ohne Realitätsbezug. Blicke, Anspielungen, Schweigen üben einen Druck aus, der die nötige Ausgeglichenheit zerstört. Die sofortige Reaktion auf eine Anklage oder eine Ungerechtigkeit besteht in der Tat aus Selbstrechtfertigung, Selbstbehauptung oder Zurückweisung Dritter, welches schnell die Subtilität von Beziehungen verhindert.

Wie löst man so ein Problem? Erst einmal, indem man versucht die psychologischen Mechanismen zu verstehen, die diesem moralischen Druck zu Grunde liegen. Kennt man die Ursachen, welche die Anderen dazu bringen zu handeln oder zu verurteilen, so ist man weniger von dem betroffen, was sie sagen oder denken könnten. Man sollte eine Abgeklärtheit gegenüber allen Prüfungen entwickeln. Das erfordert die Verurteilung durch andere nicht zu fürchten, ihnen deswegen keine Vorwürfe zu machen, sondern ihnen igendwie ihre Verachtung zu verzeihen und dabei trotzdem offen für Kritik zu bleiben, da darin meistens auch ein kleines Stück Wahrheit steckt.

Präventiv ist eine ziemliche Diskretion angesagt. Jemandem zu sagen: „Ich erlebe etwas, was du nicht verstehen kannst“ oder „Ich habe noch niemals sowas Tolles erlebt!“ ist kontraproduktiv. Das aktiviert nur die Aufpassertriebe, verstärkt die Manifestationen des Egos und verschlimmert die Situation. Ein Verhalten erklären zu versuchen, welches nicht in das herrschende Paradigma passt, ist zum Scheitern verurteilt. Auf die eine oder andere Weise würde es nur die Mentalisierung fördern zum Schaden der Verhaltensweisen, welche man rehabilitieren wollte.

3. Die Schuldgefühle

Außer dem äußeren Druck muss man sich ebenfalls auf eine Menge Druck von innen her gefasst machen. Die Erziehung und der soziale Einfluss (das was Gurdieff die „kriechende Moral“ nennt) prägen unser Unterbewusstsein von der frühen Kindheit an. In Freuds Sprache ist das Überich ein Kondensat von Erinnerungen, Verboten, Transgressionen und Schuldgefühlen. Es ist unmöglich, sich davon von heute auf morgen zu befreien. Das würde auf Kosten einer Mentalisierung und einer Verteidigungsstrategie gehen, unvereinbar mit der Subtilität des Heiligen Eros.

Es gibt keine andere Lösung als eine langsame Dekonstruktionsarbeit oder vielmehr ein Abspecken des Überichs. Es ist nicht möglich es frontal anzugreifen ohne die innere Situation zu verschlimmern. Im Gegenteil sollte man sich Stück für Stück bewußt machen, dass Eltern oder Gesellschaft uns Glaubenssätze und Schuldgefühle eingeprägt haben, die den Naturgesetzen entgegenstehen. Die Tatsache, dass der Heilige Eros aus den in unserer Genetik verankerten Naturgesetzen entspringt, kann uns eine große Hilfe sein. Das erlaubt ein wenig an der Quelle Luft aus den Schuldgefühlen abzulassen, während wenn man sie unterdrückt, man zusätzliche Härten kreiert.

Man könnte sich auch einer Psychoanalyse unterziehen, vorausgesetzt man findet einen Analysten, der genügen Abstand von den sozialen Normen hat. Freud befürwortete eine totale Amoralität, d.h. das Fehlen jeglichen moralischen Zwangs im Verlauf der Analyse. In der Praxis erweist sich das extrem schwierig, da die Analysten selbst, außer wenigen Ausnahmen, den Heiligen Eros nicht kennen und aus diesem Grund von dem herrschenden Paradigma beeinflusst bleiben.

4. Die durch die Erziehung verinnerlichten psychischen Strukturen

Die wichtigste Rekonstruktion betrifft die psychischen Strukturen selbst. Die natürlichen Ausdruckswege der sexuellen- und Liebestriebe werden tiefgreifend durch eine von der herrschenden Moral geprägte Erziehung abgefälscht. Die Moral hatte ursprünglich als Ziel diese Wege zu schützen und jedem Individuum eine natürliche Entwicklung des Heiligen Eros zu garantieren. Das jahrhundertealte Vergessen dieser essenziellen Funktion hat der Moral erlaubt in die Zufälligkeiten der Geschichte und in religiöse sowie medizinische Gebote abzugleiten (z.B. die Angstmache vor der Masturbation).

Von daher sind wir mit psychischen Strukturen ausgestattet, die unserer inneren Natur entgegenstehen, welches eine Quelle für Anspannung und permanente innere Beziehungskonflikte ist. Dummerweise kann man seine psychischen Strukturen nicht wie die Hemden wechseln. Das erfordert eine Tiefentransformation, die nur möglich ist mittels eines klaren Verständnisses der Situation und zahlreicher gelebter Erfahrungen, die, sind sie einmal gut integriert, nach und nach die Reaktionsweise verändern können. Alles passiert als ob die transzendente Energie, wie das Gefühl der Liebesmagie, die alten Strukturen auflösen und die neuen nach und nach einzementieren könnte.

Man muss mit all den Erscheinungen von Normalität oder Anormalität reinen Tisch machen, um die Unschuld, die unumgänglich ist, um die Liebe so zu leben wie sie gelebt werden sollte, wiederzufinden. Hat man erst einmal übersinnliche Fähigkeiten erlangt, gestaltet sich die Sache leichter, hat man doch eine tägliche Führung, die rechtzeitig die Gefahr eines Abgleitens einer Beziehung anzeigen kann wie auch den Weg, der zu nehmen ist, mit geeigneter physischer Realisation. Eine gute Lösung für den Anfang wäre, vor jeder heiklen Entscheidung die Hilfe eines hellseherischen Mediums oder eines I-Ging Experten in Anspruch zu nehmen.