Evolutive Ökopsychologie und Biologie

Es mag erstaunlich erscheinen auf die Errungenschaften der Biologie zurückzugreifen, um ein hauptsächlich psychologisches und spirituelles Herangehen zu entwickeln.

Körper und Seel sind jedoch eins. Eine tiefgreifende Beobachtung der psychologischen Mechanismen, von den einfachsten bis zu den komplexesten, zeigt, dass die biologischen Faktoren allgegenwärtig und häufig bestimmend sind. Es ist kein Zufall, dass die Mehrzahl der spirituellen Lehren lebenshygienische Maßnahmen befürworten, besonders auf dem Gebiet der Ernährung und des sexuellen Lebens. Alle Verhaltensweisen werden teilweise von Trieben oder instinktivem Druck ausgelöst, die ihre Quelle im Organismus haben. Hunger wie auch sexueller Appetit kommen zum großen Teil von organischen Bedürfnissen, was man nicht vernachlässigen darf. Die Befriedigungsart dieser ursprünglichen Instinkte kann eine Suche nach künstlichem Vergnügen zur Folge haben mit allen möglichen Abweichungen, Frustration, unangemessenen Fixierungen und anderen Verstössen gegen das, was man Naturgesetze nennen kann.

Es ist ebenfalls die Biologie, die durch die Evolutionsgesetze der evolutiven Psychologie ihre wissenschaftliche Hauptgrundlage gibt. Zahlreiche physiologische und verhaltensmässige Charakteristiken sind genetisch bestimmt und stammen von einer langsamen Evolution der Spezies. Selbst wenn die Darwinschen Gesetze nicht alles zu erklären vermögen, kann dieser Aspekt in vielen Fällen Erklärungen zu einem natürlichen Verhalten und den Abweichungen, denen es unter dem Effekt von Zivilisationszwängen unterliegt, beisteuern. Ein für ein bestimmtes Milieu „programmierter“ Organismus, der in ein anderes verpflanzt wird, kann allerlei Unannehmlichkeiten erleiden. Es gibt immer eine gewisse Adaptionskapazität, aber sie hat Grenzen. Ist ihre Schwelle überschritten, können Unwohlsein, Krankheiten, psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten erscheinen. Sind diese Störungen fortdauernd, hervorgerufen z.B. durch eine täglich zu sich genommene, schlecht an die genetischen Gegebenheiten adaptierte Ernährung, kristallisieren sich durch Selbstkonditionierung in form von Gewohnheiten, Charakterzüge mit stereotypischer Tendenz heraus.

Halten wir fest, dass die Idee einer „genetischen Programmierung“ keinesfalls den freien Willen ausschließt. Die Triebe üben einen gewissen Druck aus, dem ein Individuum nicht nachgeben muss. Z.B. kann es absichtlich einen sexuellen Trieb oder irgendeine Begierde abweisen; das Ergebnis ist häufig ein depressiver oder aggressiver Zustand von Besessenheit, welches zeigt, dass der Trieb sehr wohl genetisch programmiert ist.

Man findet ebenfalls biologische Faktoren bei neurophysiologischen Störungen und ihren Auswirkungen auf das psychische Funktionieren. Das Einnehmen einer Droge kann radikal die Laune verändern, depressive oder aggressive Tendenzen auftauchen lassen, anormal passiv oder im Gegenteil hyperaktiv machen, bis zum Verlust der Selbstkontrolle. Bestimmte Substanzen, nämlich Aphrodisiaka, üben ebenfalls einen Einfluss auf die Sexualtriebe aus. Werden sie beim Geschlechtsverkehr angewendet, so ist es verständlich, kennt man die natürliche Verbindung zwischen Eros und übersinnlichen Fähigkeiten, dass die täglich genossenen Nahrungsmittel und Reizstoffe, die metapsychische und spirituelle Entwicklung stören können. Die gängigen Nahrungsmittel enthalten tatsächlich zahllose aufreizende oder euphorisierende Stoffe wie das Gliadin des Glutens in bestimmten Getreiden, oder die Exorphine der Kuhmich und ihrer Produkte, ohne das Koffein, Thein, Theobromin, Nikotin und andere gebräuchliche Alkaloide zu vergessen.