Die Interpretation der übersinnlichen Botschaften

Die Symbole zu entschlüsseln, geht nur unter zwei Bedingungen: sie in den passenden Zusammenhang zu setzen und die Schlüssel der Symbolik zu kennen. Z.B. chinesische Schriftzeichen den Lesern zu präsentieren, die nichts von dieser Schrift verstehen, hätte vielleicht einen amüsanten folkloristischen Effekt, aber sie würden nichts verstehen. Selbst wenn sie die Schriftzeichen aus dem Effeff kennen würden, in einem unpassenden Kontext käme es zu allerlei Missverständnissen und Umwegen.

Die archetypalen Symbole stellen die Grundsprache der übersinnlichen Botschaften dar. Sie nehmen unendlich viele verschiedene Formen an, manchmal abstrakt, manchmal bildhaft, manchmal mathematisch oder schriftlich, dem täglichen Leben entnommen, der religiösen Ikonographie, der Mythologie, in Farbe, in Schwarz/Weiss, umgedreht, feststehend, mobil… Das sind eine Art Hieroglyphen, die man zweifellos von Kindheit an erlernen sollte, um sie perfekt zu meistern.

Sie sind ein bisschen wie die russischen Püppchen, verschiedene Bedeutungsniveaus überlappen sich ineinander. Die Bedeutungen reichen aber weit über die bestehende Form hinaus. In Ermangelung der nötigen Schlüssel, riskiert man in oberflächlichen Interprtationen stecken zu bleiben und trotz besten Willens irrige Schlussfolgerungen zu ziehen. Halten wir fest, dass auch die wichtigsten Wörter unserer Muttersprachen einer Polysemie unterliegen, d.h., dass die meisten je nach Kontext ihre Bedeutung wechseln. Das hält uns nicht davon ab, zu sprechen und ohne Zweideutigkeiten den Sinn der Sätze zu verstehen, außer in seltenen Ausnahmefällen.

Bestimmte telepathische Übertragungen erlauben die Labilität der Symbole, ihre Umstellungen und ihre Mehrdeutigkeiten zu analysieren. Anstelle dessen, dass man z.B. ein Boot mit Sommergästen in verschiedenen Farben gemalt sieht, auf dem sich die aussendende Person befindet, könnten dieselben Farben in Form eines bunten Wasserballs, der auf dem Sand liegt und auf dem dieselbe Person sich im Gleichgewicht hält, empfangen werden. Die Verschiebung Schiff –> Ball, könnte von der Tatsache stammen, dass der Empfänger in seinen Ferienerinnerungen besonders prägnante Wasserballspiele hat, oder der Sender würde gerne mit dem Empfänger Wasserball spielen (oder umgekehrt)…

Der Hintergrund der Botschaft wird durch die Ähnlichkeiten gegeben: ein buntes Schiff und ein bunter Wasserball stellen ein Spiel dar, ein Symbol der Entspannung, glücklicher Augenblicke und Ferienliebschaften. Der Seefahrer auf dem Schiff-Ball übermittelt eine Meisterung der Situation, z.B. die Tatsache, dass er vorhat gemeinsame Ferien vorzuschlagen. Das instabile Gleichgewicht seiner Position könnte jedoch an eine gewisse Zerbrechlichkeit seiner Absichten erinnern, sein Aufrechtstehen auch an ein gewisses Aufdrängen, was die Akzeptanz durch den Empfänger betrifft.

So gibt es eine ganze Skala an potentiellen Dispositionen, die von so einer telepathischen Botschaft kommen, bei denen es von vornherein unmöglich ist die auszusondern, die der Realität am nächsten kommen. Das einzige Mittel um weiterzukommen besteht darin, andere Botschaften zu empfangen und durch Vergleiche voranzuschreiten. Es vollzieht sich also eine Befragungsarbeit, die der Empfänger leisten muss, und die ihm, wenn der reelle Vorschlag gemacht wird, erlauben würde die günstigste Haltung einzunehmen oder zu wissen, dass er Maßnahmen treffen muss, um dem Sender zu erlauben seine Hoffnung auszudrücken…

Alle übersinnlichen Botschaften zeigen sich mit so einer mehrschichtigen Symbolik. Beim Hellsehen ist eine Serie von Visionen, die auf dieselbe Frage antworten, essenziell, um den Inhalt der Botschaft zu erschließen. Desweiteren muss man die gemeinsamen Nenner zwischen benachbarten Symbolen erkennen und sie mit den im Moment wichtigen Sachen in Zusammenhang zu setzen wissen.

Lasst uns festhalten, dass jede Interpretation der übersinnlichen Botschaft, neben der Kenntnis der archetypalen Sprache, eine genügend enge Anbindung zu der transzendenten Dimension verlangt. Auf diesem subtilen Niveau kann man fühlen, ob diese oder jene Erklärung richtig oder falsch ist. Die Yogis sprechen von der Kundalini, die archetypisch durch eine die Wirbelsäule aufsteigende Schlange repräsentiert wird. Diese ganz natürliche Funktion, die man nicht mit einer Emotion oder einem normalen Beben verwechseln darf, dient irgendwie als grünes Licht jedes Mal, nähert man sich der Wahrheit. Sie ist in jedem von uns präsent aber kann sich solange nicht manifestieren, als das Ego einen zu wichtigen Platz einnimmt. Egotische Einstellungen rufen sonst Spannungen hervor, welche die Kundalini sehr leicht blockieren.

Die Qualität des Interpreten zählt somit genausoviel wie die Qualität des Mediums. Durch diese zweifache Bedingung kann man ein destabilisierendes Herumtappen und manchmal folgenschwere Interpretationsfehler vermeiden, sodass die übersinnlichen Botschaften den größten Nutzen bringen können.