Der religiöse Glaube

Die Religionen verlangen, dass man an sie und Gott glaubt. Würde man konkret zu den versprochenen Wundern gelangen, bräuchte man nicht an sie zu glauben. Mit anderen Worten, die Tatsache, dass eine Religion Glauben einfordert, beweist, dass sie unfähig ist uns den Zugang zum versprochenen Paradies zu gewähren.

Diese ein wenig karikaturistische Demonstration reflektiert jedoch eine armselige Realität: Wenn jeder über übersinnliche Fähigkeiten verfügte, wäre die religiöse Form, die uns Zugang zur Göttlichkeit gewähren sollte, überflüssig. Eine Begleiterscheinung: Die Religionen haben ein vitales Interesse daran uns von jeglichem Zugang zur Göttlichkeit abzuhalten. Sie verlangen von uns als Eintrittskarte fürs Paradies einen blinden Glauben, den sie mit einem Heisversprechen versehen. Wir bleiben so der Religion treu. Andere sagen, wir bleiben darin gefangen.

Warum geht die Religion häufig mit einem sexuellen Verbot einher? Es gibt zwei Antworten: Die Religion sichert ihr Monopol auf den Zugang zum Göttlichen, indem sie das verbietet, was einen natürlichen Zugang darstellt. Jedoch ist es möglich, dass gewisse religiöse Würdenträger die Intuition hatten, dass die Ursache des spirituellen Scheiterns in einem Abrutschen der Sexualität bestand (daher der Begriff der Fleischessünde). In Ermangelung etwas Besseren, haben sie die Sexualität als ganzes mit einem Kirchenbann belegt, ausgenommen die Fortpflanzung.

Halten wir weiterhin fest, dass der religiöse Glaube selbst bei den größten Heiligen mit Zweifel belastet wird. Das Phänomen erklärt sich hier ebenfalls durch die Tatsache, dass der Glaube eine Art Mystifizierung ist, die im Unterbewussten entweder eine reaktionelle Form (hypertrophierter Glaube, Märtyrertum, Fundamentalismus) erzeugt oder eine offensichtliche Ablehnung (Atheismus, Rationalismus, Gleichgültigkeit). In allen Fällen steigt der Zweifel auf, entweder in Form von Krisen oder maskiert, aber er zeigt die Diskrepanz mit unseren tiefsten Intuitionen.

Der natürliche Zugang zum Übernatürlichen befreit uns von dieser erdrückenden Problematik. Er ersetzt den religiösen Glauben durch einen konkreten Zugang zur transzendenten Dimension und den spirituellen Werten. Anstatt zu glauben genügt es also zu sein.