Das größte Rätsel der Kunstgeschichte gelöst dank einer ganzheitlichen Psychologie?

Wer kennt nicht den Garten der Lüste des Hieronymus Bosch! Es ist eines der Kunstwerke, welches Kunstliebhaber seit mehr als fünf Jahrhunderten am meisten fasziniert. Jeder fühlt, dass es eine wichtige Botschaft verbirgt, jedoch niemand hat es anscheinend entschlüsseln können. Zahlreiche Spezialisten haben sich daran versucht, aber es war alles für die Katz.

Claude Mettra, ein berühmter Chronist bei France-Culture, schrieb im Vorwort eines wichtigen, diesem Triptychon gewidmeten Werkes (1977): „Was uns hier geboten wird ist ein absolutes Meisterwerk, in dem Sinne, dass kein rationales Lesen, keine symbolische Interpretation und kein historischer Bezugspunkt dem Rechnung tragen kann. (…) In diesem Sinne kann man einfach nur sagen, dass das Bild des Hieronymus Bosch nichts bedeutet, nicht mehr als ein Gesicht, nicht mehr als ein Schneefeld in der roten Wintersonne, nicht mehr als eine vertrocknete Rinde im einsamen Wald...“.

Seither ging auch nichts weiter. Der erst vor kurzem herausgekommene Film von José Louis Lopez-Linares „Das Mysterium des Hieronymus Bosch“ zeugt eloquent davon. Man hält den flämischen Künstler nach wie vor für einen „Teufelsmacher“ und staunt Bauklötze vor seiner undurchdringlichen Symbolik.

Jedoch stiess in den 30iger Jahren Wilhelm Fraenger, ein Historiker und Kunstgeschichtsprofessor aus Berlin, zufällig auf ein Prozessprotokoll der Inquisition: Die Mitglieder einer Gruppe mit dem Namen Freigeister, angeklagt der Fleischessünde, bestätigten vor den Richtern im Namen einer „adamitischen“ Liebe gehandelt zu haben, die es ihnen gemäss vor dem Sündenfall gab. Die sexuellen Beziehungen, derer man sie beschuldigte, unterschieden sich von den üblichen und hätten ihnen ein Wissen spiritueller Art gebracht, welches allem, was man in Büchern finden konnte, überlegen gewesen wäre. Sie wurden 1411 zum Tod durch den Scheiterhaufen verurteilt.

Fraenger äusserte die These, dass Hieronymus Bosch von diesen Häretikern beauftragt wurde ihre Lehre in verschlüsselter Form unsterblich zu machen. Somit versuchte er die Symbolik Boschs zu decodieren, indem er sich auf ihre Aussagen stützte. Seine zweifellos, der Absicht des Malers nahekommende Interpretation, rief nicht das Echo hervor, welches sie verdient hätte, wohl weil sie Begriffe verwendete, die im sehr reduktionistischen Kontext Anfang des 20ten Jahrhunderts nur schwer zu akzeptieren waren. Darüber hinaus enthielt sie eine gewisse Anzahl an Abirrungen und obskuren Punkten, die ihre Glaubwürdigkeit herabsetzten.

Angesichts einer dermaßen enttäuschenden Bilanz war der Weg für die evolutive Psychologie (EPE) offen, sich ihrerseits an das ungelöste Rätsel heranzuwagen. Es handelte sich nicht darum sich in großen historischen oder esoterischen Spekulationen zu ergehen, sondern darum eine Verbindung zwischen den verschiedenen, von Bosch benutzten Symbolen, und konkreten Fakten herzustellen. Jegliches Herangehen mit einem minimalen wissenschaftlichen Anspruch, muss sich auf nachprüf- und reproduzierbare Phänomene stützen. Das trifft genau auf die Theorie der Metasexualität zu, deren Ausgangspunkt eine doppelte Funktion der erotischen Triebe ist. Vielfache Beobachtungen haben gezeigt, dass man zwischen zwei sexuellen Funktionen unterscheiden muss: einer biologischer Natur, auf die Fortpflanzung der Spezies abzielend und einer anderen spezifisch menschlichen, die erlaubt die übersinnlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Genau diese Zweiteilung findet man im Garten der Lüste klar illustriert. Mitten im Zentrum des Vordergrundes des Zentralbildes breitet eine stylisierte Distel zwei spitzzulaufende Blätter aus, die auf zwei verschiedene Wege hinweisen. Das untere Blatt führt zu einem in einer Muschel eingeschlossenen Paar, das von einem Träger in Richtung einer schwimmenden Ananas transportiert wird. Auf der Ananas thront ein Paar in einem geäderterten, durchsichtigen Ballon, der an eine Fruchtblase erinnert. Der Mann ist sichtlich beunruhigt wegen seiner Partnerin und tastet mit der Hand ihren Bauch ab. Die blasse, ängstliche, zukünftige Mamma sucht am Knie des Erzeugers Halt.

Das obere Distelblatt, an dem eine Riesenmeise hängt, zeigt mit der Spitze auf einen schwimmenden Pfirsich. In einer dreieckigen Öffnung sieht man ein Paar, welches Heiterkeit und Unschuld ausstrahlt. Die junge Frau sieht uns schamhaft in die Augen, um unsere Aufmerksamkeit auf die zu erteilende Lektion zu ziehen, während ihr Partner eine Riesenbrombeere einer Gruppe von hungrigen Mündern präsentiert.

Zwischen Brombeere und Fruchtblase zeigen die ypsilonförmig in die Höhe gespreizten Beine eines Mannes, dass der freie Wille erlaubt zwischen zwei Wegen der Liebe zu wählen: demjenigen der Fortpflanzung und demjenigen eines subtileren Eros, der erlaubt eine höhere Energie zu erzeugen (die blaue Brombeere), welche als Seelennahrung dient.

Bosch hat dem Ganzen noch ein Detail hinzugefügt: Ein Bein, welches bisher noch keiner der Interpreten

zitiert hat, ragt rechts aus dem Pfirsich heraus. Somit muss eine dritte Person neben dem Paar versteckt sein, wie auch drei Personen in der Distel v

ereint sind, während man in der Muschel zweifellos nur zwei Liebende erkennt. Die zwei Formen der Liebe würden sich darin unterscheiden, dass die eine in einer Paarbeziehung gelebt wird, während die andere eine Öffnung der Gefühle gegenüber Dritten erfordert.

Diese delikate Frage wird direkt über der Brombeere aufgeworfen: Neben einem Paar, welches Besitzverhalten widerspiegelt, driftet ein Dritter in einer Tonne ab. Eine Liebe unter dem Zeichen von Besitzanspruch erzeugt Trennung und Leiden.

Was ist also die natürliche Funktion dieser nicht der Fortpflanzung gewidmeten Liebe?

Die Antwort findet sich mitten im Zentrum des linken Bildes. In der Mitte des Paradieses, in einer Rieseniris, öffnet eine Eule ihre großen goldenen Augen.

Man findet sie im Zentralbild am Ausgangspunkt einer langen Reiterprozession wieder, klar ausgewiesen durch den ersten Reiter. Die aufgehenden Flügel der Eule sind noch die, eines kaum dem Ei entschlüpften Kükens. Dieser in der Nacht klarsehende Vogel kann, symbolisiert offensichtlich die übersinnlichen Fähigkeiten, nämlich das Hellsehen.

Bosch enthüllt uns somit, dass eine bestimmte Form der Liebe, die gewissen Regeln folgt, welche in den verschiedenen Reitergruppen dargestellt werden, auf die Entwicklung paranormaler Fähigkeiten abzielt, die eine zentrale Rolle bei der spirituellen Entwicklung der menschlichen Wesen spielen (Iris im Zentrum des Paradieses).

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Der Riesenfisch, eine Allegorie für Sex, inkarniert mit seinem erstaunten Auge die grosse Frage: „Wo führen die mächtigen sexuellen Triebe hin, die den menschlichen Wesen eigen sind?“ Die grundlegenden Regeln werden in den Gruppen aufgezählt, die hinter der Eule gehen. Die rote Kapuze, unter der das einzige Paar des Umzuges reitet, repräsentiert das Nichtdenken wie es im Tantrismus definiert wird. Das Riesenei stellt das fragile Gleichgewicht zwischen Bewusstsein, Mental und transzendenter Dimension dar, der Reiter in Extase auf der Raubkatze die Hingabe an unschuldiges Vergnügen, die Kugel eine höhere, die Seelen nährende Energie und die gerade mal dem Ei entschlüpfte Eule die Entwicklung der übersinnlichen Fähigkeiten.

Die Gruppen von Nackten als erotisch zu erkennenden, jedoch unschuldig wirkenden Nackten im Vordergrund desselben Bildes, stellen eine wahrhaftige Initiation in die verschiedenen Beziehungsarten der adamitischen Liebe dar. Sehr aussagekräftig sind die zwei Kristallglasröhren. In eine von ihnen dringt eine Ratte ein (an der Basis der schwimmenden Ananas), während die andere mit einem Deckel verschlossen ist (linke untere Ecke), welches eine Penetration bei solcherart Beziehung ausschliessen sollte.

Diese Interpretation korrespondiert mit den Schriften Platons, für den ebenfalls zwei Erosformen existieren, eine für die Fortpflanzung und eine um die „Flügel der Seele“ wachsen zu lassen und ihr zu erlauben, zu den Essenzen vorzudringen (absolute Schönheit und ewige Wahrheit). Sie passt auch für die ungewöhnlichen Beobachtungen über den Zusammenhang zwischen Liebesbeziehungen und der Entwicklung übersinnlicher, den Zugang zu den Archetypen erlaubender Fähigkeiten, die der Autor im autobiografischen Teil der Ausgabe beschreibt.

Ein Scheitern dieser Liebesform führt hingegen zu Problemen im Sozialleben und in Paarbeziehungen wie im rechten Bild beschrieben. Gemäss Bosch wird die irdische Existenz wegen der religieusen Moral, die durch die Ohren eindringt und diese Erosart scheitern lässt, zur Hölle. Die männliche Sexualität verwandelt sich in Besessenheit (der Dudelsack, dessen quälender Ton niemals nachlässt). Zentrum dieser Besessenheit ist die Penetration (das klaffende Ei zwischen zwei Beinen, durchstoßen von riesigen Dornen). Man erkennt in der Hölle der Musikanten das Entstehen einer Kultur, die sich auf eine trügerische Sublimation reduziert. Hinter der Partitur, die alle zu singen versuchen, ist in der Tat das Hinterteil einer von einem Hybriden aus Laute und Harfe, aus dem kein harmonischer Ton entweichen kann, niedergedrückten Person versteckt. Die Musiker sind Gefangene ihres Instrumentes, sowie die Menschheit in ihrer Kultur gefangen ist.

Die Drehleier repräsentiert das Paarleben: Der Mann dreht mit großer Mühe die Kurbel, die am Ort seines Geschlechtsteils vorbeigeht. Die Ehegattin versucht vergeblich ihn zu sehen. Sie ruft ihn mit Hilfe einer Triangel an der Ringe hängen und die dadurch nur ein abscheuliches Krächzen zustande bringt.

Der unglückliche Adam, welcher gebeugt ist von dem Gewicht einer Riesenoboe (ein offensichtlich phallisches Symbol), aus der ein rußiges Feuer lodert, wird letztendlich von dem Teufel verschlungen. Die Eule des Paradieses hat einer verhängnisvollen Inkarnation Platz gemacht, einem Riesenziegenmelker, mit einem umgekehrten Kessel auf dem Kopf.

Von den übersinnlichen Fähigkeiten bleiben nichts als Zerstörungskräfte übrig, dargestellt durch diesen finsteren Vogel, der seine Beute durch einen enormen Darmvorfall ins höllische Gewässer auskackt, in das ein Gourmand seine Schlemmereien erbricht und ein Geizkragen seine Münzen scheisst.

Was Eva anbetrifft, so ist sie Gefangene eines Dämons mit Eselskopf, während eine Kröte zwischen ihren Brüsten kriecht. Aus ihrem Traum erwachend kann sie nichts sehen, außer dem Widerschein ihrer eigenen Augen und denen des Dämons, der ihr aus einem im Gesäß eines anderen Dämons mit ausgetrocknetem Pflanzenkörper verankerten Spiegel entgegenleuchtet: ein Bild der Vergeblichkeit ihrer Existenz und einer von transzendenter Energie leeren Sexualität.

Das gesamte Tiptychon wie auch die in derselben Epoche entstandenen Triptychen Boschs verdienen eine wesentlich tiefergehende Analyse. Wenn Sie das Thema interessiert, es ist ein Buch Guy-Claude Burgers erschienen, das eine erschöpfende und zusammenhängende Interpretation aller Motive und Symbole dieser unvergleichlichen Meisterwerke liefert.

Die eingehenden Erklärungen des Autors lassen sich angenehm leicht lesen und sind durch die Wiedergabe von den entsprechenden Bildausschnitten (ca. 250) illustriert. Alle im Triptychon enthaltenen Details finden eine völlig logische Erklärung. Das Werk Boschs vermittelt so das Gefühl einer großen Offenbarung, dank des Genius des Malers meisterhaft gemalt und verschlüsselt und für das Schicksal der Menschheit grundlegend. Nachdem sein Sinn 500 Jahre lang unzugänglich geblieben war, kann man sich nur über die Einfachheit der Erklärungen wundern, die jetzt jedem zur Verfügung stehen.

Der Autor schlägt folgende Wette vor: Für den Fall, dass Sie einen einzigen widersprüchlichen oder ohne zufriedenstellende Erklärung gebliebenen Punkt finden, können Sie in die Rubrik Kontakt auf der Webseite gehen, und wenn Ihr Einwand keine tragfähige Antwort bekommen kann, wird Ihnen der Preis der Ausgabe ersetzt.

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Wie man in dem Triptychon findet oder Gateways?

Liebe und Sexualität lebte in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen